Active Sourcing: Kandidaten direkt ansprechen
Beim Active Sourcing sucht das Unternehmen selbst nach passenden Menschen und spricht sie an. So gehen Sie vor, so schreiben Sie die erste Nachricht und so bleiben Sie datenschutzkonform.
Active Sourcing bedeutet, dass Sie passende Menschen selbst suchen und direkt ansprechen, statt nur auf Bewerbungen zu warten. Der Kern ist eine kurze, persönliche Nachricht mit erkennbarem Bezug zum Profil der Person, den wichtigsten Eckdaten der Stelle und einem unverbindlichen nächsten Schritt. Datenschutzrechtlich ist die Ansprache meist auf das berechtigte Interesse gestützt; Sie müssen die Person aber spätestens beim ersten Kontakt informieren.
Welche Rolle Active Sourcing neben Stellenanzeigen, Empfehlungen und Jobbörsen spielt, zeigt der Recruiting-Leitfaden für kleine Unternehmen. Hier geht es um das praktische Vorgehen.
Wann sich Active Sourcing lohnt
Die Direktansprache kostet Zeit. Sie lohnt sich vor allem, wenn
- auf Anzeigen kaum passende Bewerbungen eingehen,
- die gesuchten Fachleute gut beschäftigt sind und nicht aktiv suchen,
- es um Spezialwissen oder Führungsaufgaben geht,
- Sie eine Stelle vertraulich besetzen möchten.
Für Stellen mit vielen Bewerbungen auf eine Anzeige ist sie dagegen meist zu aufwendig.
Schritt 1: Das Suchprofil festlegen
Bevor Sie suchen, klären Sie, wen Sie eigentlich suchen. Trennen Sie dabei zwischen unverzichtbaren Kriterien und solchen, die nur wünschenswert sind.
| Kriterium | Muss | Kann |
|---|---|---|
| Fachliche Qualifikation | z. B. Ausbildung als Elektroniker oder vergleichbare Erfahrung | Meistertitel |
| Erfahrung | Erfahrung mit Gebäudetechnik | Erfahrung mit Photovoltaik |
| Werkzeuge, Zertifikate | gültiger Führerschein | bestimmte Herstellerschulungen |
| Region | Wohnort in Pendelentfernung | Bereitschaft zum Umzug |
Aus dem Muss-Teil entstehen Ihre Suchbegriffe. Notieren Sie Synonyme und alternative Berufsbezeichnungen, denn Menschen beschreiben denselben Job sehr unterschiedlich.
Schritt 2: Die passenden Kanäle
| Kanal | Geeignet für | Hinweis |
|---|---|---|
| Berufliche Netzwerke (LinkedIn, Xing) | Fach- und Führungskräfte, Büroberufe | erweiterte Suchfunktionen oft kostenpflichtig |
| Lebenslaufdatenbanken von Jobbörsen | viele Berufe, aktiv Suchende | meist kostenpflichtig, Profile oft aktueller |
| Fachcommunities | IT, Design, Forschung | Ansprache nur, wo die Plattform es vorsieht |
| Eigener Bewerberpool | frühere Bewerber mit Einwilligung | oft unterschätzt, Einwilligung prüfen |
| Messen, Netzwerktreffen, Hochschulen | Nachwuchs, Spezialisten | persönlicher Kontakt statt Nachricht |
Halten Sie sich an die Nutzungsbedingungen der Plattformen. Automatisiertes Auslesen von Profilen ist dort meist untersagt und datenschutzrechtlich heikel.
Schritt 3: Gezielt suchen
Die meisten Plattformen unterstützen Suchen mit logischen Verknüpfungen, oft Boolesche Suche genannt:
- AND verknüpft Begriffe, die beide vorkommen müssen
- OR erlaubt Alternativen, etwa Synonyme
- NOT schließt Begriffe aus
- Anführungszeichen suchen nach exakten Wortfolgen
Ein Beispiel: ("Elektroniker" OR "Elektriker" OR "Elektroinstallateur") AND ("Gebäudetechnik" OR "Haustechnik") NOT "Auszubildender". Kombinieren Sie die Suche mit Filtern für Ort und Umkreis. Prüfen Sie Treffer kurz gegen Ihr Suchprofil, bevor Sie schreiben.
Schritt 4: Die erste Nachricht
Die erste Nachricht entscheidet. Sie sollte kurz sein, zeigen, dass Sie das Profil gelesen haben, und die Fragen beantworten, die sich jeder stellt: Was für eine Stelle, wo, zu welchen Bedingungen, und warum gerade ich?
Muster: Erstansprache
Betreff: [Funktion] in [Ort], passt das zu Ihnen?
Guten Tag [Name],
in Ihrem Profil ist mir Ihre Erfahrung mit [konkreter Punkt aus dem Profil] aufgefallen. Wir sind ein [kurze Beschreibung, z. B. Handwerksbetrieb mit 25 Beschäftigten] in [Ort] und suchen eine [Funktion] für [Kernaufgabe].
Kurz die Eckdaten: [Arbeitszeit], [Gehaltsrahmen], [ein bis zwei konkrete Besonderheiten].
Hätten Sie Interesse an einem unverbindlichen Telefonat von 15 Minuten? Falls nicht, ist das völlig in Ordnung.
Ihre Daten habe ich Ihrem öffentlichen Profil entnommen. Hinweise zur Verarbeitung und zu Ihren Rechten finden Sie unter [Link zur Datenschutzinformation].
Viele Grüße [Name, Funktion, Unternehmen, Telefon]
Was die Antwortquote erhöht:
- persönlicher Bezug statt Serienbrief
- Gehaltsrahmen von Anfang an
- klarer, kleiner nächster Schritt
- Absender ist eine echte Person, idealerweise die künftige Führungskraft
Was abschreckt:
- lange Texte mit Unternehmensgeschichte
- Ansprache, die erkennbar nicht zum Profil passt
- Druck oder übertriebene Versprechen
Datenschutz und rechtliche Grenzen
Wer Profile sichtet, speichert und Menschen anschreibt, verarbeitet personenbezogene Daten. Die wichtigsten Regeln:
- Rechtsgrundlage: Die Verarbeitung öffentlich zugänglicher beruflicher Angaben für eine konkrete Stelle wird meist auf das berechtigte Interesse gestützt (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO). Beschränken Sie sich auf berufsbezogene Daten.
- Information: Da die Daten nicht bei der Person selbst erhoben wurden, müssen Sie sie nach Art. 14 DSGVO informieren, spätestens bei der ersten Kontaktaufnahme. Ein Link zu einer Datenschutzinformation in der Nachricht ist dafür üblich.
- Speicherdauer: Antwortet jemand nicht oder lehnt ab, löschen Sie die Daten. Für eine Aufnahme in einen Talentpool brauchen Sie in der Regel eine Einwilligung.
- Telefon: Kurze Erstanrufe am Arbeitsplatz hat die Rechtsprechung nur in engen Grenzen zugelassen. Nachrichten über die Plattform sind der sichere Weg.
- Plattformregeln: Viele Netzwerke begrenzen die Zahl der Kontaktanfragen und verbieten Massenversand oder Automatisierung.
Bewerbermanagement-Software kann Fristen, Einwilligungen und Löschungen nachhalten. Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, beschreibt der Beitrag Bewerbermanagement-Software.
Vom ersten Kontakt zum Gespräch
Antwortet jemand interessiert, sollte es schnell und unkompliziert weitergehen. Wer bisher nicht auf Jobsuche war, hat keine Bewerbungsunterlagen vorbereitet und erwartet auch nicht, sofort einen vollständigen Lebenslauf zu schicken.
- Telefonat statt Formular: Ein kurzes Gespräch klärt die wichtigsten Fragen auf beiden Seiten. Verlangen Sie Unterlagen erst, wenn beide Interesse haben.
- Die richtige Person: Idealerweise führt die künftige Führungskraft das erste Gespräch mit, weil sie Aufgaben und Team am besten beschreiben kann.
- Ehrliche Eckdaten: Gehalt, Arbeitszeit und Erwartungen gehören früh auf den Tisch. Wer erst im dritten Gespräch merkt, dass die Bedingungen nicht passen, ist verärgert.
- Diskretion: Die Person steht meist in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis. Behandeln Sie den Kontakt vertraulich und bieten Sie Termine außerhalb der üblichen Arbeitszeit an.
- Zügige Entscheidungen: Passive Kandidaten springen schnell wieder ab, wenn sich der Prozess über Wochen zieht.
Im weiteren Verlauf gelten dieselben Grundsätze wie bei jeder anderen Bewerbung: feste Auswahlkriterien, ein strukturiertes Gespräch und eine faire, zeitnahe Rückmeldung.
Nachfassen und auswerten
Bleibt die erste Nachricht unbeantwortet, ist eine freundliche Erinnerung nach etwa einer Woche angemessen. Danach stellen Sie den Kontakt ein. Kommt eine Absage, bedanken Sie sich und fragen höflich, ob Sie sich bei einer späteren, passenden Stelle wieder melden dürfen.
Werten Sie Ihre Ansprachen regelmäßig aus: Wie viele Nachrichten, wie viele Antworten, wie viele Gespräche, wie viele Einstellungen? So erkennen Sie, ob das Problem bei der Suche, der Nachricht oder dem Angebot liegt.
Selbst machen oder beauftragen?
Für einzelne Stellen können Sie Active Sourcing gut selbst übernehmen, wenn jemand im Betrieb regelmäßig Zeit dafür hat. Bei Führungspositionen, sehr knappen Profilen oder wenn die Suche vertraulich bleiben muss, beauftragen Unternehmen häufig Personalberatungen. Wie diese arbeiten und wie Kandidaten die Ansprache erleben, zeigt der Beitrag Headhunter: Wie man von ihnen gefunden wird.
Quellen
- Art. 6 Abs. 1 lit. f, Art. 14 und Art. 17 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
- § 7 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) zu unzumutbaren Belästigungen
- Nutzungsbedingungen der jeweiligen Plattform
Fragen und Antworten
Ist Active Sourcing nach der DSGVO erlaubt?
Ja, unter Bedingungen. Die Verarbeitung öffentlich zugänglicher beruflicher Profile für eine konkrete Stelle wird meist auf das berechtigte Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO gestützt. Sie müssen die Person spätestens bei der ersten Kontaktaufnahme nach Art. 14 DSGVO informieren und die Daten löschen, wenn kein Interesse besteht.
Darf ich Kandidaten an ihrem Arbeitsplatz anrufen?
Hier ist Zurückhaltung geboten. Die Rechtsprechung hat einen kurzen ersten Anruf am Arbeitsplatz zur Kontaktaufnahme in engen Grenzen zugelassen, ein ausführliches Gespräch oder wiederholte Anrufe gelten als unzulässig. Eine Nachricht über ein berufliches Netzwerk ist in der Regel der sicherere Weg.
Wie oft darf ich nachfassen?
Eine freundliche Erinnerung nach etwa einer Woche ist üblich. Bleibt auch sie unbeantwortet, sollten Sie den Kontakt einstellen. Mehrfaches Nachhaken wirkt aufdringlich und schadet dem Bild Ihres Unternehmens.
Wie viele Antworten sind realistisch?
Das hängt stark von Beruf, Region und Qualität der Nachricht ab. Rechnen Sie damit, dass viele Angesprochene nicht antworten. Persönliche Nachrichten mit klarem Bezug zum Profil und Gehaltsangabe erhalten in der Regel deutlich mehr Rückmeldungen als Serienbriefe.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion koenig-ag.de. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.