Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnis-Noten: Die Zeugnissprache entschlüsseln

Welche Formulierung welcher Note entspricht, für Fachwissen, Arbeitsweise, Erfolg, Verhalten und Schlussformel, und woran Sie versteckte Kritik erkennen.

Die Zeugnissprache vergibt Noten über fein abgestufte Formulierungen. Den Ausschlag geben Verstärker wie „stets“ oder „jederzeit“ und Superlative wie „vollste“ oder „außerordentlich“: Je mehr davon, desto besser die Note. Die folgenden Tabellen zeigen typische Formulierungen für jeden Bewertungsbereich, von sehr gut bis mangelhaft. Sie beruhen auf einer verbreiteten Konvention, nicht auf einer gesetzlichen Notenskala.

Was ein Zeugnis enthalten muss und welchen Anspruch Sie haben, erklärt der Ratgeber Arbeitszeugnis verstehen. Hier geht es um das Entschlüsseln der einzelnen Sätze.

So funktioniert die Zeugnissprache

Ein Zeugnis muss wahr und zugleich wohlwollend sein. Negative Aussagen werden deshalb fast nie direkt formuliert. Stattdessen wird die Bewertung über drei Stellschrauben gesteuert:

  • Zeitadverbien: „stets“, „jederzeit“, „immer“ heben die Bewertung um etwa eine Stufe.
  • Steigerungen: „vollste“, „außerordentlich“, „hervorragend“, „in jeder Hinsicht“ markieren die Spitze.
  • Einschränkungen: „im Wesentlichen“, „im Großen und Ganzen“, „insgesamt“, „bemüht“ senken die Bewertung deutlich.

Dazu kommen Reihenfolge, Ausführlichkeit und Auslassungen. Ein Zeugnis, das wichtige Punkte nicht erwähnt, sagt damit ebenfalls etwas aus.

Gesamtbewertung der Leistung

Die Zufriedenheitsformel ist der wichtigste Satz für die Leistungsnote. Neben der Variante mit „Zufriedenheit“ gibt es gleichwertige Formulierungen mit „Erwartungen“.

Note Zufriedenheitsformel Variante mit Erwartungen
sehr gut stets zu unserer vollsten Zufriedenheit hat unsere Erwartungen stets in allerbester Weise erfüllt
gut stets zu unserer vollen Zufriedenheit hat unsere Erwartungen stets in bester Weise erfüllt
befriedigend zu unserer vollen Zufriedenheit hat unsere Erwartungen in jeder Hinsicht erfüllt
ausreichend zu unserer Zufriedenheit hat unsere Erwartungen erfüllt
mangelhaft im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit hat unsere Erwartungen im Großen und Ganzen erfüllt
ungenügend hat sich bemüht, die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen hat sich bemüht, unsere Erwartungen zu erfüllen

Einzelbewertungen der Leistung

Vor der Gesamtnote stehen meist mehrere Sätze zu einzelnen Aspekten. Sie sollten zur Gesamtnote passen. Weicht ein Bereich deutlich nach unten ab, ist das ein Hinweis auf eine Schwäche genau dort.

Fachwissen

Note Typische Formulierung
sehr gut verfügt über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse, die sie jederzeit sicher und zielgerichtet einsetzt
gut verfügt über umfassende und fundierte Fachkenntnisse, die sie sicher einsetzt
befriedigend verfügt über solide Fachkenntnisse
ausreichend verfügt über die erforderlichen Fachkenntnisse
mangelhaft verfügt über Grundkenntnisse in ihrem Arbeitsbereich

Arbeitsbereitschaft und Engagement

Note Typische Formulierung
sehr gut zeigte stets außerordentliche Eigeninitiative und überdurchschnittliches Engagement
gut zeigte stets Eigeninitiative und großes Engagement
befriedigend zeigte Eigeninitiative und Engagement
ausreichend zeigte Engagement
mangelhaft zeigte im Großen und Ganzen Engagement

Arbeitsweise und Zuverlässigkeit

Note Typische Formulierung
sehr gut arbeitete stets äußerst sorgfältig, selbstständig und zuverlässig
gut arbeitete stets sorgfältig, selbstständig und zuverlässig
befriedigend arbeitete sorgfältig und zuverlässig
ausreichend arbeitete im Allgemeinen sorgfältig
mangelhaft war um Sorgfalt bemüht

Arbeitserfolg

Note Typische Formulierung
sehr gut ihre Arbeitsergebnisse übertrafen stets unsere Erwartungen in Qualität und Menge
gut ihre Arbeitsergebnisse lagen stets über unseren Erwartungen
befriedigend ihre Arbeitsergebnisse entsprachen unseren Erwartungen
ausreichend ihre Arbeitsergebnisse entsprachen im Wesentlichen unseren Erwartungen
mangelhaft sie erzielte insgesamt akzeptable Ergebnisse

Bei Führungskräften folgt zusätzlich eine Bewertung der Führungsleistung, etwa „motivierte ihre Mitarbeitenden stets in hervorragender Weise und erreichte so eine sehr hohe Leistung des Teams“ für eine sehr gute Bewertung.

Verhaltensbewertung

Der Verhaltenssatz bewertet den Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und gegebenenfalls Kunden. Neben den Verstärkern zählt hier die Reihenfolge: Üblich ist Vorgesetzte vor Kollegen. Werden zuerst die Kollegen genannt oder fehlen die Vorgesetzten ganz, wird das oft als Hinweis auf Konflikte mit der Führung gelesen.

Note Typische Formulierung
sehr gut ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich
gut ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei
befriedigend ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war einwandfrei
ausreichend ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war ohne Tadel
mangelhaft ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten gab im Wesentlichen keinen Anlass zur Klage

Schlussformel

Die Schlussformel besteht meist aus Grund des Ausscheidens, Bedauern, Dank und guten Wünschen. Je vollständiger und herzlicher, desto besser die Gesamtwirkung.

Wirkung Typische Formulierung
sehr gut Sie verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir sehr bedauern. Wir danken ihr für die stets hervorragende Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihre berufliche und private Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.
gut Sie verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir bedauern. Wir danken ihr für die sehr gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg.
befriedigend Sie verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir danken ihr für die Zusammenarbeit und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.
eher kritisch Das Arbeitsverhältnis endet am [Datum]. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.
kritisch keine Schlussformel

Der Grund des Ausscheidens ist ebenfalls aufschlussreich. „Auf eigenen Wunsch“ signalisiert einen selbst gewählten Wechsel. „Im gegenseitigen Einvernehmen“ wird häufig mit einem Aufhebungsvertrag in Verbindung gebracht und ist neutral bis leicht offen. Wer einen Aufhebungsvertrag verhandelt, sollte Schlussformel und Note deshalb gleich mitregeln, mehr dazu im Beitrag Aufhebungsvertrag: Vor- und Nachteile.

Formulierungen mit doppeltem Boden

Einige Wendungen klingen positiv, werden aber unter Personalverantwortlichen kritisch verstanden:

Formulierung Verbreitete Lesart
war stets bemüht Bemühen ohne den erwarteten Erfolg
hat sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten eingesetzt begrenzte Fähigkeiten
erledigte alle Aufgaben ordnungsgemäß Dienst nach Vorschrift, wenig Eigeninitiative
zeigte für ihre Arbeit Verständnis wenig tatsächliche Leistung
war wegen ihrer Pünktlichkeit stets ein gutes Vorbild sonst gibt es wenig zu loben
trug durch ihre Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei Hinweis auf private Themen während der Arbeit
war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen eher Selbstdarstellung als Leistung

Bewerten Sie einzelne Formulierungen nicht über. Viele Zeugnisse werden von Menschen geschrieben, die die Konvention selbst nicht in allen Feinheiten kennen. Entscheidend ist, ob Gesamtnote, Einzelbewertungen, Verhalten und Schlussformel ein stimmiges Bild ergeben.

Beispiel: Ein Absatz entschlüsselt

Wie die Bausteine zusammenwirken, zeigt ein erfundener Musterabsatz:

Frau [Name] verfügt über solide Fachkenntnisse. Sie arbeitete sorgfältig und zuverlässig. Ihre Arbeitsergebnisse entsprachen unseren Erwartungen. Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit. Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war einwandfrei.

Lesart: Fachwissen, Arbeitsweise, Ergebnisse und Gesamtnote liegen jeweils auf der Stufe befriedigend, denn es fehlen durchgehend Verstärker wie „stets“. Im Verhaltenssatz stehen die Kollegen vor den Vorgesetzten, was als Hinweis auf ein weniger gutes Verhältnis zur Führung verstanden werden kann. Mit „stets“ in der Zufriedenheitsformel, umfassenden statt soliden Kenntnissen und der üblichen Reihenfolge im Verhaltenssatz wäre derselbe Absatz ein gutes Zeugnis.

Ihr Zeugnis Schritt für Schritt prüfen

Checkliste: Zeugnis entschlüsseln

  • Gesamtnote der Leistung anhand der Zufriedenheitsformel bestimmen
  • Einzelbewertungen auf Ausreißer nach unten prüfen
  • Verhaltenssatz: Verstärker vorhanden, Vorgesetzte zuerst genannt?
  • Tätigkeitsbeschreibung vollständig, wichtigste Aufgaben zuerst?
  • Wichtige Eigenschaften für Ihre Position erwähnt, etwa Zuverlässigkeit oder Kundenorientierung?
  • Schlussformel mit Bedauern, Dank und guten Wünschen?
  • Keine ungewöhnlichen Hervorhebungen von Nebensächlichkeiten

Fällt Ihnen eine Abweichung auf, bitten Sie um eine Korrektur und schlagen Sie eine konkrete Formulierung vor. Belegen Sie Ihren Wunsch mit Ergebnissen, Rückmeldungen oder Beurteilungen. Wenn Sie noch im Unternehmen sind und sich eine verlässliche Grundlage wünschen, kann ein Zwischenzeugnis helfen. Wann und wie Sie es anfordern, zeigt der Beitrag Zwischenzeugnis anfordern.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welches Wort macht im Zeugnis den Unterschied zwischen gut und befriedigend?

Meist ein Zeitadverb wie „stets“, „jederzeit“ oder „immer“. „Zu unserer vollen Zufriedenheit“ gilt als befriedigend, „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ als gut. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf jedes einzelne Wort der Leistungs- und Verhaltensbewertung.

Was bedeutet es, wenn die Schlussformel fehlt?

Rechtlich ist eine Dankes- und Wunschformel nicht vorgeschrieben. In der Praxis wird ihr Fehlen aber häufig als Hinweis auf eine eher distanzierte Trennung gelesen. Eine Schlussformel mit Bedauern, Dank und guten Wünschen rundet ein gutes Zeugnis ab.

Ist „Er war stets bemüht“ wirklich eine schlechte Bewertung?

In der Zeugnissprache ja. Wer nur „bemüht“ war, hat nach dem verbreiteten Verständnis nicht die erwarteten Ergebnisse erzielt. Die Wendung entspricht einer mangelhaften bis ungenügenden Leistungsbewertung.

Kann ich eine Formulierung ändern lassen, die mir zu schlecht erscheint?

Ja, Sie können um eine Berichtigung bitten. Geht es um die Note, empfiehlt sich ein Gespräch mit Belegen für Ihre Leistung. Wer eine bessere als die durchschnittliche Bewertung verlangt, muss im Streitfall die besseren Leistungen darlegen.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion koenig-ag.de. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.