Lebenslauf

Bewerbungsfoto: Pflicht oder optional?

Ein Foto ist in Deutschland keine Pflicht. Was das Gleichbehandlungsgesetz damit zu tun hat, wann ein Bild trotzdem sinnvoll ist und wie es aussehen sollte.

Ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland keine Pflicht. Sie entscheiden selbst, ob Sie eines beilegen. Arbeitgeber verlangen es seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in aller Regel nicht mehr, weil ein Foto persönliche Merkmale zeigt, die bei der Auswahl keine Rolle spielen dürfen. Entscheiden Sie sich für ein Foto, sollte es ein aktuelles, professionelles Porträt sein, das oben im Lebenslauf oder auf dem Deckblatt steht.

Die übrigen Bestandteile des Lebenslaufs erklärt der Ratgeber Lebenslauf: Aufbau, Reihenfolge, Muster. Dieser Beitrag behandelt nur die Frage nach dem Foto.

Die Rechtslage: Was das AGG bedeutet

Das AGG ist 2006 in Kraft getreten. Es soll Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern. Diese Regeln gelten ausdrücklich auch für Bewerbungsverfahren.

Ein Foto lässt mehrere dieser Merkmale erkennen oder vermuten. Daraus folgt zweierlei:

  • Für Bewerberinnen und Bewerber: Sie dürfen ein Foto beilegen, müssen aber nicht. Ein Verbot für Sie gibt es nicht.
  • Für Arbeitgeber: Das Gesetz verbietet das Verlangen eines Fotos nicht ausdrücklich. Wird aber ein Foto gefordert und eine Bewerbung abgelehnt, kann das im Streitfall als Indiz für eine Benachteiligung gewertet werden. Dann muss der Arbeitgeber beweisen, dass er nicht benachteiligt hat. Deshalb verzichten die meisten Unternehmen auf die Bitte um ein Foto.

Wie Arbeitgeber Stellenanzeigen so formulieren, dass sie mit dem AGG vereinbar sind, erklärt der Beitrag Stellenanzeige nach AGG.

Foto oder kein Foto? Die Abwägung

Für ein Foto spricht Gegen ein Foto spricht
Es ist in Deutschland weiterhin verbreitet und wird von vielen erwartet Es lenkt von der Qualifikation ab
Ein gutes Porträt kann sympathisch und professionell wirken Unbewusste Vorurteile können die Auswahl beeinflussen
In Berufen mit viel Kundenkontakt zeigt es Auftreten Ein schlechtes Foto schadet mehr, als es nützt
Die Bewerbung bleibt nach vielen Gesprächen leichter in Erinnerung Manche Unternehmen bitten ausdrücklich um Bewerbungen ohne Foto

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Hilfreich ist ein Blick auf das Unternehmen: Zeigt die Karriereseite Mitarbeitende mit Bild, wirkt es offen und persönlich, oder betont es anonymisierte Verfahren? Bitten Unternehmen ausdrücklich darum, auf ein Foto zu verzichten, halten Sie sich daran.

Anonymisierte Bewerbung

Bei einer anonymisierten Bewerbung sieht das Unternehmen in der ersten Auswahlrunde weder Foto noch Name, Alter, Geschlecht, Familienstand oder Herkunft. Bewertet werden nur Qualifikation und Erfahrung, meist über ein standardisiertes Formular. Erst bei der Einladung zum Gespräch werden die persönlichen Daten sichtbar. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat das Verfahren in einem Modellprojekt mit verschiedenen Arbeitgebern erprobt. Verpflichtend ist es nicht, einige Unternehmen und Verwaltungen setzen es aber ein.

Bewerben Sie sich bei einem Unternehmen mit anonymisiertem Verfahren, lassen Sie Foto und persönliche Angaben weg und achten Sie darauf, dass auch Dateinamen, Zeugnisse oder Profil-Links keine Rückschlüsse zulassen, sofern das Verfahren das verlangt.

Bewerbungen ins Ausland

In vielen anderen Ländern ist ein Foto in der Bewerbung unüblich, etwa in Großbritannien, Irland oder den USA. Dort kann ein Foto sogar negativ auffallen, weil Unternehmen jeden Anschein einer Benachteiligung vermeiden wollen. Informieren Sie sich vor einer Bewerbung im Ausland über die dortigen Gepflogenheiten.

Was ein gutes Bewerbungsfoto ausmacht

Wenn Sie ein Foto verwenden, sollte es wirken, als sei es für die Bewerbung gemacht worden, nicht aus einem anderen Anlass ausgeschnitten.

Checkliste: das gute Bewerbungsfoto

  • Aufgenommen von einer Fotografin, einem Fotografen oder zumindest mit Stativ und Abstand, kein Selfie
  • Aktuell: Es zeigt Sie so, wie Sie heute aussehen
  • Kopf und Schultern sichtbar, Blick in die Kamera, freundlicher Ausdruck
  • Neutraler, ruhiger Hintergrund ohne private Umgebung
  • Kleidung wie an einem guten Arbeitstag in der angestrebten Branche
  • Gleichmäßiges Licht, keine harten Schatten
  • Nachbearbeitung nur zurückhaltend: Sie sollen im Gespräch wiedererkannt werden
  • Ausreichende Auflösung, damit es in der PDF scharf ist, aber ohne die Datei unnötig groß zu machen

Besonders bei stark bearbeiteten oder mit Software erzeugten Porträts ist Vorsicht geboten. Ein Foto, das Sie deutlich anders zeigt, als Sie im Gespräch auftreten, schadet dem Vertrauen mehr, als es nützt.

Den Fototermin vorbereiten

Ein gutes Bewerbungsfoto entsteht selten zufällig. Mit etwas Vorbereitung wird der Termin kürzer und das Ergebnis besser:

  • Zwei Outfits mitnehmen: eines in einer ruhigen, einfarbigen Variante und eines, das etwas formeller ist. So können Sie vor Ort vergleichen.
  • Muster und Logos vermeiden: Feine Streifen oder kleine Karos flimmern auf Bildschirmen, große Aufdrucke lenken ab.
  • Frisur und Bart einige Tage vorher pflegen, nicht am Vortag radikal ändern.
  • Verwendung ansprechen: Sagen Sie, dass Sie das Foto für Bewerbungen und gegebenenfalls ein berufliches Netzwerkprofil brauchen. Dann erhalten Sie passende Formate, etwa Hochformat für den Lebenslauf und einen quadratischen Ausschnitt für das Profil.
  • Digitale Datei geben lassen: Für die PDF-Bewerbung brauchen Sie eine Bilddatei in guter Auflösung, keine Papierabzüge.
  • Nutzungsrechte klären: Fragen Sie, ob Sie das Foto für alle Bewerbungen und Online-Profile verwenden dürfen.

Ein einheitliches Foto in Lebenslauf und Netzwerkprofil hat einen Vorteil: Wer Ihr Profil nach der Bewerbung aufruft, erkennt Sie sofort wieder.

Was Sie vermeiden sollten

  • Urlaubs-, Party- oder Ausweisbilder
  • Ausschnitte aus Gruppenfotos
  • Sonnenbrillen, Kopfbedeckungen ohne religiösen Grund, auffällige Filter
  • Ein Foto, das mehrere Jahre alt ist

Selbst fotografieren: geht das?

Ein Foto mit dem Smartphone ist möglich, wenn das Ergebnis wie ein professionelles Porträt wirkt. Das gelingt am ehesten mit Hilfe einer zweiten Person und diesen Bedingungen:

  • Licht: Tageslicht von vorn oder schräg vorn, etwa an einem Fenster. Kein direktes Sonnenlicht und kein Blitz.
  • Hintergrund: eine ruhige, helle Wand ohne Bilder, Regale oder Pflanzen.
  • Abstand und Haltung: Die Kamera auf Augenhöhe, aus etwas Abstand fotografiert und später zugeschnitten. Selfies aus Armlänge verzerren das Gesicht.
  • Bearbeitung: Helligkeit und Ausschnitt anpassen ist in Ordnung. Weichzeichner, Filter und starke Retusche sind es nicht.

Wirkt das Ergebnis nach mehreren Versuchen nicht überzeugend, ist ein Termin bei einem Fotostudio die bessere Wahl. Lieber kein Foto als ein schlechtes.

Wo das Foto platziert wird

Das Foto steht entweder oben rechts im Lebenslauf neben den persönlichen Daten oder auf dem Deckblatt, wenn Sie eines verwenden. Nicht beides, und nicht auf dem Anschreiben. In einer digitalen Bewerbung ist das Foto in die PDF-Datei eingebettet und wird nicht als separate Bilddatei angehängt. In der klassischen Papiermappe wird es heute meist direkt mit ausgedruckt statt aufgeklebt. Die Reihenfolge aller Unterlagen erklärt der Beitrag Bewerbungsmappe: Die richtige Reihenfolge.

Bei Bewerbungsportalen gibt es manchmal ein eigenes Feld für ein Foto. Auch dort ist es in der Regel freiwillig, erkennbar daran, dass das Feld nicht als Pflichtfeld markiert ist.

Fazit: Ihre Entscheidung, aber dann richtig

Ob mit oder ohne Foto: Über Ihre Chancen entscheiden in erster Linie die Inhalte. Ein klar strukturierter Lebenslauf und ein Anschreiben mit Bezug zur Stelle sind wichtiger als jedes Porträt. Wie Sie die Bewerbung insgesamt aufbauen, steht im Leitfaden Bewerbung schreiben.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Hat eine Bewerbung ohne Foto schlechtere Chancen?

Das lässt sich nicht allgemein sagen. Viele Unternehmen achten bewusst nur auf die Qualifikation, manche bitten sogar um Bewerbungen ohne Foto. Entscheidend sind Anschreiben, Lebenslauf und Nachweise. Ein schlechtes Foto schadet dagegen eher als gar keines.

Darf ein Arbeitgeber ein Bewerbungsfoto verlangen?

Ein ausdrückliches gesetzliches Verbot gibt es nicht. Verlangt ein Arbeitgeber aber ein Foto und lehnt dann eine Bewerberin ab, kann das als Indiz für eine Benachteiligung gewertet werden. Deshalb verzichten die meisten Unternehmen darauf, ein Foto zu fordern.

Kann ich ein Selfie als Bewerbungsfoto verwenden?

Davon ist abzuraten. Selfies haben meist eine verzerrte Perspektive, ungünstiges Licht und einen privaten Hintergrund. Wenn Sie kein Fotostudio nutzen möchten, sollte zumindest eine andere Person das Foto mit Abstand, neutralem Hintergrund und Tageslicht aufnehmen.

Wie alt darf ein Bewerbungsfoto sein?

Es sollte Sie so zeigen, wie Sie heute aussehen. Als Orientierung gilt ein Alter von höchstens ein bis zwei Jahren. Haben sich Frisur, Brille oder Bart deutlich verändert, ist ein neues Foto sinnvoll.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion koenig-ag.de. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.